Plenumskultur
Aus Unsere Bildung
Dies ist ein Vorschlag aus der Potsdamer AG Vorbereitung des Vernetzungstreffens. Bitte schreibt eure Meinungen dazu, kritisiert gebt Anregungen.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Plenumskultur:
Um in diesen drei Tagen produktiv und in einer angenehmen Atmosphäre miteinander arbeiten zu können, möchten wir euch die Grundlage unserer Plenumskultur vorstellen. Wir haben mit diesen Prinzipien schon seit der Vorbereitung für die Bildungstreikwoche im Sommer gearbeitet und gute Erfahrungen damit gemacht. Diese Prinzipien gehören zu unserem Selbstverständnis. Auf diese Weise sollen jegliche Art von Unterdrückung und Ausschließung von Menschen vermieden werden.
Jede Gruppe, bzw. jedes Plenum sollte um ein konstruktives Gespräch führen zu können, vor Beginn eine Redeleitung, eine_n Protokollantin oder Protokollanten und eine_n Moderator_in bestimmen.
Die Redeleitung ist wichtig, um in einer Gruppe von vielen Menschen eine Redeliste zu führen und das Wort zu erteilen, so dass jede und jeder gehört wird. Dabei verwenden wir eine doppeltquotierte Redeliste (Erklärung siehe unten). Die Redeleitung für größere Plena kann auch aus mehreren Menschen bestehen, damit keine Meldung übersehen wird und keine Missverständnisse entstehen.
Die oder der Protokollant_in dokumentiert den Gesprächsverlauf und hält Ergebnisse bzw. Zwischenergebnisse fest. Mit dem Protokoll sollte möglichst weitergearbeitet werden können, d.h. auch, dass es für alle verständlich formuliert sein sollte. Es sichert nicht nur Ergebnisse, sondern ermöglicht es auch anderen Menschen, die nicht an der AG teilnehmen konnten, die Inhalte zu erfahren und evt. später mitarbeiten zu können.
[Bearbeiten] Warum ist ein_ e Moderator_in gut und wichtig? Was ist die Funktion der Moderation?
Die Moderation ordnet das Gespräch. Sie achtet darauf, dass das Gesprächsklima und der Umgang miteinander respektvoll und angenehm für Jede_n bleibt. Sie sollte dafür sorgen, dass Themen nicht gegen die Wand laufen und versucht zu vermeiden, dass sich Diskussionen im Kreis drehen. Häufig kann es sinnvoll sein, verschiedene Diskussionsstränge zu visualisieren oder Teilergebnisse festzuhalten. In diesen Momenten sollte die Moderation aus einer eher passiven Rolle heraus aktiv darauf aufmerksam machen und das Gespräch wieder auf einen konstruktiven Weg bringen. Sonst ist sie eher zurückhaltend und neutral, v.a. wenn stark konträre Meinungen diskutiert werden.
Die Moderator_innenrolle ist also die neutrale, ausgleichende Instanz, die die am Gespräch teilhabenden Menschen dabei unterstützen soll, zu einem Ergebnis zu kommen.
Mit dieser neutralen Position ist es möglich Konflikte schnell zu lösen bzw. sie zu vermeiden und sich auf das gewählte Thema zu konzentrieren und voranzukommen.
Es ist sehr wichtig, dass alle den oder die Moderator_in unterstützen, indem alle sich melden, wenn sie etwas sagen wollen und nicht reinreden. Um ein gewaltfreies Klima zu schaffen, muss darauf geachtet werden, dass alle ausreden können und ihnen nicht über den Mund gefahren wird. Wir gehen davon aus, dass mögliche Lösungen am besten erreicht werden, wenn die Thematik aus vielen Perspektiven betrachtet wird. Deshalb ist jeder geäußerte Beitrag gut und wichtig. Es geht auch nicht darum festzustellen, wer Recht hat oder sich mit seiner Meinung durchsetzen kann, sondern um die Sache selbst. Deshalb sollte niemensch persönlich angegriffen oder abwertend bzw. diskriminierend behandelt werden. Es sollte Bezug auf das Thema, nicht aber auf die Person genommen werden.
Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass mensch sich nicht wiederholt und nicht abschweift. Es geht darum verantwortlich zu handeln und Verantwortung zu übernehmen Kurz gesagt: Wir versuchen uns so zu verhalten, dass wir die Moderation überflüssig machen.
[Bearbeiten] Was heißt Konsensentscheidung im Plenum?
Konsens bedeutet Übereinstimmung und ist in jeder zwischenmenschlichen Auseinandersetzung wünschenswert. Viele Entscheidungen in unserer Gesellschaft werden nach dem Mehrheitsprinzip entschieden. Hierbei fallen aber Minderheiten, die es meistens bei einer Abstimmung gibt, unter den Tisch. Auch wenn Menschen mit etwas nicht einverstanden sind, werden Aktionen durchgeführt und Entscheidungen getroffen, die jemensch mittragen soll. Das schafft Hierarchien. Bei unseren Protesten geht es aber um Jede_n von uns. Alle haben viel Kraft und Eigenes investiert, in welcher Form auch immer. Es ist uns deswegen wichtig, dass es keine Hierarchien gibt. Wenn eine Entscheidung Jede_n betrifft, dann ist auch Jede_r gleich wichtig. Deswegen ist auch jede Meinung gleich viel wert. Wenn ein Vorschlag nicht von allen getragen werden kann, dann ist es nach dem Konsensprinzip nicht möglich diesen in die Tat umzusetzen. Die Diskussion kann, wenn kein Konsens gefunden wird, aus dem großen Rahmen in eine dezentrale, unabhängige Gruppe verlagert werden, um so vielleicht neue Perspektiven zu eröffnen. Dadurch kann die Arbeitsfähigkeit des Plenums gewährleistet werden, ohne das Thema zu verwerfen. Wir wollen allerdings auch nicht, dass aus Mangel an Zeit und Geduld während Diskussionen jemensch nicht verstanden wird. Also bringt euch ein! Sagt laut und traut euch zu sagen, wenn euch etwas nicht gefällt. Manchmal hat diesen Punkt noch niemensch so betrachtet und kann diese Meinung dann doch teilen, oder ablehnen. Wir wollen einen Konsens herstellen, damit diese Bewegung wirklich die Bewegung von allen ist, die sich an ihr beteiligen und sie sich auch entsprechend der Beteiligten wandeln und vorankommen kann. Keine_r soll mit Bauchschmerzen schlafen gehen, weil ihr oder ihm etwas nicht gefällt.
Es ist unser aller gemeinsamer Kampf für eine bessere Bildung. Diesen sollten wir zusammen durchstehen.
Konsensdemokratische Räume beinhalten die Gefahr, das Veto als strategisches Mittel zum Erreichen eigener Positionen oder zum Blockieren von Diskussionen einzusetzen. Konsensprinzipien können somit wie mehrheitsdemokratische Prinzipien ausgenutzt werden und sind nicht allein ein Allheilmittel für einen (möglichst) gewaltfreien Prozess. Deshalb ist auch in konsensdemokratischen Räumen jede_r in der Pflicht Verantwortung zu übernehmen und verantwortlich zu handeln. Möchte mensch ein Thema gerade nicht behandeln, sollte dies kein Grund sein anderen den Raum zur Diskussion zu nehmen – mensch könnte stattdessen zum Beispiel selbst in einem neuen Raum mit anderen zu einem anderen Thema arbeiten oder sich eine Pause gönnen. Ein Konsens ist auch niemals die Ausgangsposition des Einzelnen, sondern immer ein neues Ergebnis aus den zum Thema ausgetauschten Perspektiven vieler. Offenheit, Akzeptanz und Neugier gehört in diesem Sinne zu den Grundlagen funktionierender Konsensdemokratie.
[Bearbeiten] Was ist eine doppelt quotierte Redeliste und warum ist sie wichtig?
Wir haben bisher die Gespräche mit einer doppelt quotierten Redeliste geführt und schlagen vor, weiter so zu verfahren.
Doppelt quotiert bedeutet, dass Frauen und Männer abwechselnd das Wort haben. Zudem haben Menschen, die sich zum erstem Mal an der Diskussion beteiligen, Vorrang beim Rederecht. Es ist erwiesen, dass Frauen in gemischten Gruppen Hemmungen haben und sich eher selten zu Wort melden. Erstredner_innen werden bevorzugt behandelt, damit auch Menschen, die sich weniger zu Wort melden ihre Meinung einbringen können und mit einbezogen werden.
Beide Quotierungen sind dazu da, dass allen die Chance gegeben wird, sich zu beteiligen und der meist geringere Frauenanteil nicht dazu führt, dass die anwesenden Männer wichtige Themen nur unter sich ausmachen. Zudem wird durch die Erstredner_innenquotierung das Risiko vermindert, dass Diskussionen nur zwischen sehr wenigen Menschen entstehen und somit zirkulär verlaufen. So soll niemensch diskriminiert werden.
[Bearbeiten] Welche Handzeichen möchten wir verwenden?
In einem großen Plenum muss mensch oft lange warten, bevor sie_er an der Reihe ist. Um Meinungen trotzdem ausdrücken zu können, hat es sich bewährt, mit Handzeichen zu arbeiten. Bei den meisten Bildungsstreik- und Besetzungsplena sind Handzeichen etabliert. Diese unterscheiden sich jedoch oft von Plenum zu Plenum. Um keine Missverständnisse und/oder Konflikte über die Benutzung von Handzeichen ausbrechen zu lassen, möchten wir hier eine einheitliche Verwendung von Handzeichen vorschlagen. Wir versuchen dabei die Anzahl auf ein Minimum zu reduzieren, sodass auch Menschen, die noch nie an einem solchen Plenum teilgenommen haben, schnell damit zurecht kommen. Zudem bitten wir darum, dass Handzeichen nicht eingesetzt werden, um Menschen in ihrer Rede zu verunsichern, was auch ungewollt passieren kann. Darum sollten Handzeichen mit Bedacht eingesetzt werden.
Mit zwei Händen über dem Kopf wedeln:
Das soll allgemeine Zustimmung mit der gerade getroffenen Aussage symbolisieren. Das heißt so viel wie „Da stimme ich zu.“ oder „Die Aussage finde ich richtig und wichtig.“
Mit zwei Händen Richtung Boden wedeln:
Das bedeutet eine Ablehnung der eben getroffenen Aussage. Übersetzt etwa „Was gerade gesagt wurde, finde ich nicht gut.“ oder „Da kann ich nicht zustimmen.“ oder „Das sehe ich anders.“
Beide Arme über dem Kopf zu einem Kreuz formen:
Dieses Zeichen bedeutet ein absolutes Veto. Das heißt ausformuliert „Mit diesem Vorschlag kann ich in keinster Weise leben.“ oder „Wenn das hier gemacht/beschlossen werden würde, würde ich dieses Treffen/diese Bewegung verlassen.“
Mit Händen eine Drehbewegung vor dem Körper:
Damit signalisieren wir, dass sich gerade wiederholt wird und die Diskussion sich im Kreis dreht. Sprachlich: „Wir wiederholen uns gerade, bitte lasst uns zum nächsten Punkt kommen.“
