BadenWürttemberg
Aus Unsere Bildung
[Bearbeiten] Vernetzungstext
Hier der Vernetzungstext als Entwurf:
Wir, die UnterzeichnerInnen dieses Dokuments, wollen die Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg beeinflussen. Bildung und wie wir sie uns vorstellen, soll ein wahlentscheidendes Thema werden. Dies wollen wir mit Diskussionen, Aktionen und Protesten erreichen. (Ziel genauer beschreiben)
Wir rufen alle auf sich an diesen Protesten zu beiliegen.
Wir werden alle Wahlprogramme an unseren Forderungen prüfen und sowohl auf Überschneidungen als auch Differenzen hinweisen.
Baden-Württemberg als Bildungsland?
Der für Hochschulen zuständige Minister für Wissenschaft und Forschung, Peter Frankenberg, behauptet gerne, Baden-Württemberg sei ein, wenn nicht sogar das Bildungsland in Deutschland schlechthin. Wir haben unsere eigene kleine Übersicht erstellt. Dabei kommen wir zu dem Ergebnis, dass Baden-Württemberg eines der selektivsten und neoliberalsten (benötigt erklärung anders formulieren) Bildungssysteme der Republik hat.
Finanzierung Baden-Württemberg gibt zwar mehr Geld aus als andere Länder, aber dieses Geld sinkt seit langem und das sowohl für Schulen als auch für Hochschulen. Auch gibt die Regierung das Geld sehr selektiv aus: Während „Elite-“ Hochschulen extra Förderungen bekommen, versinken gerade die hochgelobten Pädagogischen Hochschulen in Haushaltsdefiziten. Ähnlich sieht es auch bei den Schulen aus: Die Gymnasien können sich noch über Wasser halten, während gerade Fördeerschulen und Berufliche Schulen so stark vernachlässigt werden, dass sie noch nicht mal die Grundversorgung mit Unterricht leisten können. Kurze Projektfinanzierung sorgt für Planungunsicherheit und es wird ganz klar gewünscht, dass die Bildungseinrichtungen Drittmittel einwerben, sei es auf Kosten der Unabhängigkeit. Der Wirtschaft wird Tür und Tor zur Beeinflussung der Lernenden und auch der Forschung geöffnet. Durch Studiengebühren, Büchergeld und Ausbildungsgebühren entsteht der Eindruck, das Bildung eine Ware sei, für die natürlich bezahlt werden müsse.
Mitbestimmung Baden-Württemberg hat eines der repressivsten Schul- und Hochschulgesetze bundesweit. SchülerInnen haben keine Sitze in der Schulkonferenz, das Land kann sogar die Inhalte der SMV-Konferenzen beschränken. Die Verfasste Studierendenschaft ist immer noch ungerechtfertigterweise verboten. Stattdessen soll die Leitung der Bildungseinrichtungen gestärkt werden, so dass diese schnell und effektiv handeln könne. Gremien der Lernenden werden bestenfalls angehört, mitbestimmen dürfen sie nicht. Auch andere Gruppen wie der akademische Mittelbau oder LehrerInnen werden mehr und mehr entmündigt. Dass so selten durchdachte Entscheidungen gefällt werden, liegt für uns deshalb auf der Hand. Es ist erschreckend, wie wenig Baden-Württemberg seinen Lernenden zutraut und völlig unklar, wie so aus ihnen selbstbestimmte BürgerInnen werden sollen.
Offenheit Mehrgliedriges Schulsystem, bindende Schulempfehlungen, Erhalt der Hauptschulen als Werkrealschulen (und Restschule), Studiengebühren... In kaum einen anderen Land wird so klar politisch Wert darauf gelegt, dass im Schulsystem aussortiert wird. Kinder von Nicht-AkademikerInnen sollen auch selber keine werden. Die gesellschaftliche Schichtung soll bestehen bleiben. Individuelle Förderung kommt so gut wie gar nicht vor, lieber werden SchülerInnen schon früh auf Förderschulen und Hauptschulen entsorgt. Das ercht auf Inclusive Bildung wird nicht gewährt. Der Übergang von Realschulen zu Gymnasien wird erschwert, durch Studiengebühren vom Studium abgeschreckt oder es sogar finanziell unmöglich gemacht. Frühkindliche Förderung wird nicht so schnell ausgebaut wie nötig und ist oft teuer, so dass gerade diejenigen, die in ihrer Familie nicht so gefördert werden können, die KiTas nicht besuchen können. (Kita als emanipation) Auch Ganztags- und Gemeinschaftsschulen, beides anerkannte Wege der Inklusion, werden blockiert.
Darum brauchen wir Veränderung:
Nicht nur Häppchen und einzelne Projekte, sondern einen grundsätzlichen Umschwung in der Bildungspolitik:
1. Frühkindliche Bildung Es müssen genug KiTa Plätze für alle Kinder ermöglicht werden. Diese müssen kostenfrei sein. Dabei dürfen Kitas nicht mit Schulen verwechselt werden. In ihnen soll noch nicht Leistungs. oder Verwertungsorientiertes Wissen vermittelt werden, sondern vor allem die Neugier der Kinder erhalten und bedient und soziale Kontakte geknüpft werden. Die Kommunen dürfen mit dieser Aufgabe nicht allein gelassen werden. Es ist Aufgabe des Landes ihnen zu helfen, vor allem wenn ihnen die finanziellen Möglichkeiten fehlen.
2. Schule (eventuell zu genau) Der größte Teil der Selektion findet in Baden-Württemberg in den Schulen statt. [Grundschule?]Dies kann nur durch Gemeinschaftsschulen geändert werden. Diese muss so konzipiert sein, dass alle SchülerInnen individuelle Förderung erhalten können. Um dies zu ermöglichen, ist ein Aufbrechen der Jahrgangsstruckturen und eine Abschaffung der numerischen Noten nötig. Diese verleiten dazu, SchülerInnen in Kategorien einzuordnen. Diese widersprechen ihrer Individualität. Um die SchülerInnen zu fördern, muss es auch möglichst viele Auswahlmöglichkeiten des Lernstoffes geben. Weiter sind kleine Kursgruppen notwendig (unter 20) und eine Wochenstundenzahl, die Lehrerenden die Zeit lässt, sich mit einzelnen SchülerInnen zu unterhalten und den Unterricht ordentlich vorzubereiten. Damit sich Kinder unterschiedlicher Schichten nicht nur im Unterricht kennen lernen, sollen freiwilge Ganztagsschulen eingeführt werden. Dabei dürfen diese nicht als Verlängerung der Unterrichtszeit verstanden werden, sondern müssen tatsächliche Freiräume für soziale Interaktion ermöglichen und Freizeitaktivitäten anbieten. Somit können auch unterschiedliche Förderungsmöglichkeiten der Elternhäuser ausgeglichen werden. Es soll allen Kindern ein Abitur ermöglicht werden, aber auch die Möglichkeit bestehen, nach der 10. Klasse die Schule zu verlassen und zu arbeiten. Es gibt keinerlei Übergangsvoraussetzungen in die Oberstufe. In der Schule müssen die SchülerInnen mehr mitbestimmen können. Sie müssen in der Schulkonferenz vertreten sein und sich auch zu politischen Themen äußern dürfen. G8 muss weg.
3. Hochschule Die Hochschulen müssen geöffnet werden und ihre Unabhängigkeit bewahren. Das heißt: Der Zugang sollte mit einem Abitur zu jedem Fach möglich sein. Weder Tests noch NCs dürfen dies behindern. Langfristig müssen auch Zugänge aus dem Berufsleben erleichtert werden. Auch darf es keine finanziellen Hürden geben, die Studiengebühren müssen abgeschafft werden. Diese Abschaffung darf aber nicht dazu führen, dass den Hochschulen Geld fehlt, das Land muss die Ausfälle kompensieren. Die Finanzierung muss soweit verbessert werden, dass die Hochschulen nicht mehr auf Partner aus der Wirtschaft angewiesen sind und somit ihre Schwerpunke frei setzen können. Qualitativ muss es möglich gemacht werden, dass die Studierenden ihr Studium inhaltlich und formal selber bestimmen können. Der Master muss durch einen Rechtsanspruch zum Regelabschluss gemacht werden. Eine hohe Qualität der Lehre ist nur möglich, wenn die Lehrenden ausreichend bezahlt werden und feste Anstellungen haben. Die Studierenden müssen mehr Einflussmöglichkeiten bekommen. Dies erfordert eine möglichste paritätische Besetzung aller Gremien und die Wiedereinführung der verfassten Studierendenschaft. Modualisierung Prüfungsdruck müssen weg
4. Ausbildung In der Ausbildung müssen die Berufsschulen wieder kostenfrei werden. Lehrmaterial sollen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Das Land muss die Bedingungen für eine starke Ausbildungsvertretung schaffen. [Was fehlt da noch? Direkt an das Land?]
Für diese Ziele werden wir uns einsetzen. Dies wird auf friedliche, aber laut hörbare Weise geschehen.[Details]
[Bearbeiten] Alte Landsweite Forderungen:
Hier nochmal die Forderungen der Universitäten aus dem Februar:
Landesweite Forderungen der Hochschulen
Der Bildungsstreik, insbesondere die Besetzung zahlreicher Hochschulen in Baden-Württemberg, Deutschland und Europa, hat eine seit langem überfällige gesellschaftliche Debatte über die Bildungspolitik angestoßen. Der Grund für die baden-württembergischen Proteste sind eklatante Missstände in unserem Bildungssystem: Die massive Unterfinanzierung der Bildungseinrichtungen hat viele Hochschulen an den Rand des Zusammenbruchs gebracht und führt zu ihrer immer stärkeren ökonomischen, politischen und ideologischen Abhängigkeit. Eine einseitig auf den Arbeitsmarkt ausgerichtete Schul- und Hochschulpolitik verwandelt die Bildungseinrichtungen zunehmend in reine Dienstleistungsunternehmen. Der folgende Forderungskatalog ist auf der Grundlage des Verständnisses formuliert, dass Bildung gerade keine Ware, sondern ein öffentliches Gut ist, auf das jeder Mensch ein uneingeschränktes Recht hat, dass die Einheit und Freiheit von Forschung und Lehre für die Hochschulen konstitutiv ist und dass eine gemeinsame Verantwortung aller Mitglieder der Hochschulen für deren Entwicklung und die in ihr getroffenen Entscheidungen besteht.
Deswegen stellen wir folgende Forderungen an die Landesregierung:
1. Die Abschaffung aller Bildungsgebühren von der Kita bis zum SeniorInnenstudium, sowie kostenlosen Zugang zu allen notwendigen Lernmitteln.
2. Die vollständige Finanzierung der Hochschule durch Land und Bund. Das beinhaltet vor allem Investitionen in mehr und besser ausgestattete Räume, mehr und besser bezahltes Lehrpersonal und den deutlichen Ausbau der Studienplätze.
3. Eine qualitative Reform von Studium und Lehre. Diese umfasst insbesondere die reflektierte Überarbeitung der Umsetzung des Bologna-Prozesses in aktiver Zusammenarbeit mit den Studierenden (u.a. hinsichtlich der Entzerrung der Prüfungslast, der Überarbeitung des Workloads, der Kompetenzorientierung, u.v.m.). die Gewährleistung, dass Studierende ihr Studium inhaltlich und formal individuell gestalten können (u.a. durch Flexibilisierung der Regelstudienzeiten, Abschaffung der Sanktionen bei Überschreitung der Regelstudienzeit, Abschaffung der Anwesenheitspflichten, u.v.m.). die Sicherung der nationalen und internationalen Mobilität im Studium und vereinfachte Anerkennung von anderswo erbrachten Prüfungsleistungen. Dies umfasst sowohl eine ausreichende finanzielle Unterstützung als auch die Umsetzung der Lissabon-Konvention.
4. Die Abkehr vom Bachelor als Regelabschluss durch die Bereitstellung eines Masterstudienplatzes für jedeN BachelorabsolventIn.
5. Eine demokratische Hochschule mit paritätischer Besetzung aller zentralen universitären und fakultätsgebundenen Gremien. Der Senat muss das höchste Beschluss fassende Gremium sein, der Aufsichtsrat in seiner jetzigen Form und Zusammensetzung muss abgeschafft werden. Die Mitglieder des Vorstands müssen vom Senat gewählt werden.
6. Die Einführung einer Verfassten Studierendenschaft mit allgemeinpolitischem Mandat, Satzungs- und Finanzautonomie.
7. Eine grundlegende Verbesserung der Arbeitsbedingungen, langfristig angelegte und angemessen honorierte Beschäftigungsverhältnisse des wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Personals an Hochschulen und aller im Bildungsbereich Tätigen. Die Umsetzung des EGMR-Urteils (Aktenzeichen 68959/01, 21.04.2009) zum Streikrecht für BeamtInnen.
8. Die Einführung und Unterstützung von Zivilklauseln für Hochschulen des Landes Baden-Württemberg, sowie die Auflösung der Kooperationsvereinbarung zwischen der Landesregierung und der Bundeswehr.
9. Die finanzielle Unabhängigkeit der SchülerInnen, Auszubildenden und Studierenden durch ein eltern- und altersunabhängiges BAföG.
10. Die Aussetzung der Einführung der modularisierten Studiengänge des Gymnasiallehramtes für ein Jahr, um die zahlreichen ungelösten Probleme vor der Einführung bewältigen zu können.
Erstellt in Heidelberg am 6.2.2010
Erstunterzeichnerinnen
